Am 26. Juni begeht die Welt den Internationalen Tag zur Unterstützung der Folteropfer – eingeführt 1997 durch die Vereinten Nationen, um auf das weltweite Fortbestehen von Folter trotz völkerrechtlichem Verbot aufmerksam zu machen. Das Falun Dafa Informationszentrum Österreich nimmt diesen Tag zum Anlass, auf eine der gravierendsten und am wenigsten beachteten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit hinzuweisen: die seit 1999 andauernde systematische Verfolgung und Folterung von Falun-Dafa-Praktizierenden durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh).
Zeugin in Österreich: Zwei Jahre Zwangsarbeitslager, drei Jahre Gefängnis
Lijun Zhao flüchtete im Mai 2019 aus Shanghai nach Graz, wo sie heute mit ihrem Mann in Freiheit lebt. In China wurde sie wegen ihres Glaubens an die Grundsätze Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht – die Prinzipien von Falun Dafa – über viele Jahre verfolgt, gefoltert und inhaftiert: zwei Jahre Zwangsarbeitslager, drei Jahre Gefängnis.
„Sobald ich hier ankam, fühlte ich eine geistige Entspannung – nicht mehr diesen Horror wie in China“, schildert Zhao ihre Ankunft in Österreich. Doch die Erinnerungen verfolgen sie: die Schmerzensschreie aus den Isolationszellen, das Zischen der Elektroschockgeräte, Mitgefangene, die als lebende Skelette endeten – wie die standhafte Bai Gendi aus Shanghai, die im Gefängnis starb.
Auch nach ihrer Entlassung gab es keine Ruhe: Permanente Überwachung, monatliche Verhöre durch Komiteemitglieder des Wohnviertels, abgehörte Telefone, Kameras auf jeder Straße. „Mann warnte uns davor auszugehen und sagte uns, dass sie immer wüssten, wo wir seien. Wir lebten in ständiger Angst.“ Glücklicherweise entging Zhao dem Organraub – bei ihr wurden jedoch Bluttests und körperliche Untersuchungen durchgeführt, wie sie es für die Selektion der Organe beschreibt.
Lijun Zhao steht österreichischen Medien für Interviews zur Verfügung.
Erster bekannter Überlebender des Organraubs: Cheng Pei Ming
Der Fall von Cheng Pei Ming erschüttert selbst erfahrene Menschenrechtsexperten: Im August 2024 trat er als erster bekannter Überlebender der staatlich organisierten Zwangsentnahme von Organen an die Öffentlichkeit. Auf einem Forum in Washington D.C. berichtete er, wie er zwischen 1999 und 2004 mehrfach in China verhaftet und gefoltert wurde – wegen seines Praktizierens von Falun Dafa.
Im November 2004 wurde er gegen seinen Willen betäubt und operiert. Als er aufwachte, war er ans Bett gefesselt, mit Drainageschläuchen in der Brust und einem 35 cm langen Schnitt an der linken Seite. Aktuelle CT-Scans, begutachtet von internationalen Transplantationsexperten, bestätigen: Die Segmente 2 und 3 seines linken Leberlappens fehlen, ebenso die Hälfte seines linken unteren Lungenlappens – ohne jede medizinische Notwendigkeit.
„Nachdem sie mich gegen meinen Willen ins Krankenhaus gebracht hatten, versuchten sie, mich zu zwingen, Einverständniserklärungen zu unterschreiben. Als ich mich weigerte, packten mich sechs Wärter, hielten mich fest, und mir wurde etwas gespritzt“, so Cheng in seiner Zeugenaussage.
Das unabhängige China Tribunal unter dem Vorsitz des renommierten Menschenrechtsanwalts Sir Geoffrey Nice KC kam 2020 zu dem Schluss, dass China „jenseits vernünftiger Zweifel“ seit vielen Jahren Organe von Gewissensgefangenen entnimmt – in erster Linie Falun-Gong-Praktizierenden. Schätzungen gehen von 60.000 bis 100.000 Organtransplantationen jährlich in China aus, viele davon ohne Zustimmung der Betroffenen.
Appell zum 26. Juni: Hinschauen, handeln, schützen
„Die Verfolgung der Praktizierenden ist auch eine Verfolgung aller gutherzigen Menschen auf der ganzen Welt“, sagt Lijun Zhao. Das Falun Dafa Informationszentrum Österreich appelliert anlässlich des 26. Juni an Medien, Politik und Zivilgesellschaft: Das Thema Zwangsorganentnahme und systematische Folter in China darf nicht länger im Schweigen verschwinden. Österreich – als Land mit starkem Menschenrechtsengagement und Heimat von Überlebenden dieser Gräueltaten – trägt eine besondere Verantwortung.
Weitere Informationen sowie Hintergrundmaterial finden Sie unter www.faluninfo.at.
Pressekontakt:
Roswitha Wang-Moritz
E-Mail: roswitha.wang-moritz@fldf.eu
Interviewpartnerin:
Lijun Zhao (Überlebende, lebt in Graz/Österreich)
Interviewtermine bitte über oben genannten Pressekontakt vereinbaren.
Hintergrundinformation: Was ist Falun Dafa?
Falun Dafa (auch Falun Gong) ist eine in der buddhistischen Tradition verwurzelte Meditationspraxis, die auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht basiert. Anfang der 1990er Jahre in China eingeführt, zählte sie bis 1999 laut chinesischen Behörden bis zu 100 Millionen Praktizierende. Im Juli 1999 begann das Regime unter Jiang Zemin mit einer brutalen Verfolgungskampagne, die bis heute anhält.
Weiterführende Quellen:
Erster bekannter Überlebender des Organraubs
Lijun Zhaos Geschichte
China Tribunal